Bildinterpretation Zwei Figuren verschmelzen in einer Umarmung, die mehr ist als eine Geste – sie ist ein Zustand. „Die Liebenden" entfaltet sich wie ein vielschichtiger Traum, in dem Körper, Natur und Symbole zu einer einzigen Erzählung werden. Ein mächtiger Fisch in leuchtendem Orange und Türkis schwingt sich durch die Bildmitte – jenes wiederkehrende Symbol in Ri Meusers Werk, das im altchristlichen Sinn für Reinheit, Glückseligkeit und Unsterblichkeit steht. Goldene Blüten treiben durch den Raum, ein großer Vogel entfaltet seine Schwingen wie ein Schutzgeist über den Liebenden, und am Bildrand tauchen archaisch anmutende Figuren und Säulenreste auf – Zeugen einer anderen Zeit, einer anderen Welt. Die gesamte Komposition atmet die Einflüsse der etruskischen Kunst, mit der Ri Meuser von Eschmar durch ihre persönliche Teilnahme an archäologischen Ausgrabungen etruskischer Grabstätten in unmittelbaren Kontakt getreten ist. Was hier entsteht, ist kein Liebespaar im klassischen Sinn – es ist ein Mythos über das Verbundensein von Mensch, Natur und dem Ewigen. Technik: Mono Sgraffito Die schimmernde Tiefe dieses Werkes ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines aufwendigen, vielstufigen Prozesses. Beim Mono Sgraffito trägt Ri Meuser von Eschmar Pigmente – hier besonders die vibrierende Spannung zwischen Kupferorange, Petrolgrün und flüssigem Gold – in mehreren Lagen auf eine hauchdünne Folie auf. Einzelne Schichten werden gezielt wieder freigelegt, andere übermalt und neu lasiert: Bis zu 16 solcher Durchgänge können ein einzelnes Werk formen. Genau dieses Freilegen und Überlagern erzeugt das Gefühl, als ob die Liebenden buchstäblich aus einer älteren Bildschicht hervortreten – als wären sie schon immer da gewesen und würden nur gerade sichtbar. Die außergewöhnliche Leuchtkraft der Pigmente, kombiniert mit der Transparenz des Trägers, verleiht dem Bild eine räumliche Wirkung, die im direkten Licht besonders eindringlich erfahrbar ist. Die Künstlerin Prof. Ri Meuser von Eschmar, geboren in Darmstadt, studierte Bühnenbild in Darmstadt und bildende Kunst in Aachen. Ihre Bildwelt speist sich aus einem Leben voller Begegnungen mit fremden Kulturen und archaischen Welten: Studienreisen führten sie nach Peru, Ägypten, Indien, China, in die Mongolei und durch weite Teile Amerikas und Europas. Die Teilnahme an archäologischen Ausgrabungen – darunter etruskische Grabstätten – hinterließ in ihrer Formensprache deutliche Spuren, die in Werken wie „Die Liebenden" unmittelbar spürbar werden. Mit über 350 Einzelausstellungen weltweit, darunter in der Harrods Gallery London, dem Kunstmuseum Bonn und der Galleria del Arte Florenz, gehört sie zu den bedeutendsten deutschen Künstlerinnen der Nachkriegsmoderne. Ausgezeichnet mit der Rubens-Medaille, dem Goldenen Oskar (Frankreich) und zahlreichen weiteren internationalen Ehrungen.