Eichenrinde enthält hohe Konzentrationen an Tanninen, insbesondere Gallotanninen und Ellagitanninen, sowie phenolische Verbindungen, die ihr starke adstringierende und farbaktive Eigenschaften verleihen. In Kombination mit Beizen wie Alaun oder Eisen(II)-sulfat entstehen stabile Braun-, Grau- und Schwarztöne, die in der historischen Färberei und Tintenherstellung eine zentrale Rolle spielten. Aufgrund ihres hohen Tanningehalts kann Eichenrinde sowohl als Farbstoff als auch als Fixierkomponente dienen. Die darin enthaltenen Polyphenole bilden komplexe Verbindungen mit Metallionen, die Pigmente stabilisieren und deren Haftung auf Faser- und Papiersubstraten verbessern. In Kombination mit eisenhaltigen Lösungen entstehen sogenannte Eisengalluskomplexe, die eine ausgezeichnete Lichtechtheit aufweisen und schon früh als Grundlage für natürliche Dokumenten- und Zeichenfarben verwendet wurden. Bei der pflanzlichen Färberei kann gemahlene Eichenrinde auch dazu beitragen, den pH-Wert zu regulieren und die Haltbarkeit von Pflanzenextrakten zu verlängern. Ihre strukturierenden Eigenschaften wirken emulgierend und unterstützen die Bildung gleichmäßiger Farbbasen. Eichenrinde ist somit eine der traditionellsten Rohpflanzen, die in der natürlichen Farbstoffherstellung verwendet werden – vielseitig einsetzbar als Farbstoff, Beize oder Zusatzstoff und ein eindrucksvolles Beispiel für die nachhaltige Nutzung pflanzlicher Tannine in der historischen und zeitgenössischen Farbstoffherstellung. Produktdatenblatt Eichenrinde (PDF)