Limoncello aus Massa Lubrense mit Zitronen vom Klostergarten Limoncello il Convento ist ein Zitronenlikör von der Sorrentiner Halbinsel, kalt mazeriert aus den Schalen der Sorte Ovale di Sorrento. 350 Gramm Zitronen stecken in jedem Liter, deutlich mehr als die geschützte Herkunftsangabe verlangt. Der Limoncello il Convento kommt aus Massa Lubrense in Kampanien, gemacht aus drei Dingen: Alkohol, Zucker und Zitronenschale. Verwendet werden ausschließlich Früchte der Sorte Ovale di Sorrento, jener Ökotyp, der hinter der geschützten Angabe Limone di Sorrento steht. Geerntet wird von Hand, das schreibt das Lastenheft vor. Nur die Schale, nur kalt, keine Abkürzung Für Limoncello zählt allein das Gelbe der Schale. Das Weiße darunter bringt Bitterkeit mit, die niemand haben will, und muss deshalb dranbleiben, wo es hingehört. Die Schalen werden von Hand abgezogen und acht bis zehn Tage kalt in reinem Alkohol angesetzt, in Edelstahlbehältern und ohne Wärme. Kaltmazeration heißt das, und sie ist für die geschützte Angabe Liquore di limone di Sorrento verbindlich vorgeschrieben. Danach wird abgeseiht und mit in Wasser gelöstem Rohrzucker auf Trinkstärke gebracht. Das Lastenheft verlangt mindestens 250 Gramm ganze Zitronen je Liter. Il Convento setzt 350 Gramm ein. Diese Zahl erklärt mehr über den Likör als jedes Adjektiv: Er ist dicht, deutlich zitronig und schmeckt nach Frucht statt nach Aroma. Im Glas ist er kräftig gelb und leicht trüb, weil die ätherischen Öle der Schale beim Verdünnen ausfallen. Ein klarer, glasiger Limoncello ist meist gefiltert worden, und mit dem Trub geht ein Teil des Aromas verloren. Diese Trübung ist also kein Makel, sondern ein Hinweis. Eisgekühlt aus dem Gefrierfach nach dem Essen Limoncello gehört ins Gefrierfach, nicht in den Schrank. Bei Minusgraden wird er dickflüssig und samtig, ohne zu gefrieren, und genau so trinkt man ihn in Kampanien. Serviert wird er in kleinen, ebenfalls vorgekühlten Gläsern nach dem Essen, ein Fingerbreit, mehr nicht. Er ist frisch statt parfümiert, angenehm herb im Hintergrund und nicht so süß, wie viele Industrieabfüllungen es sind. Zitronig, kühl, mit einer feinen Bitterkeit zum Schluss. Darüber hinaus lässt er sich verlängern: mit Prosecco und Eis zum Limoncello Spritz, über Vanilleeis oder Zitronensorbet gegossen, in einem Tiramisu statt Kaffee, oder als Schuss in eine Zitronencreme. Zum Prosecco aufgegossen ergibt er den Aperitif, mit dem an der Amalfi- wie an der Sorrentiner Küste jeder Abend beginnt. Die Pollios und ein Kloster aus dem 14. Jahrhundert Angefangen hat alles 1935, als der Landwirt Antonino Pollio das Land kaufte, das zuvor die Mönche bewirtschaftet hatten. Wein, Olivenöl und Rosolio entstanden dort zuerst, Zitronen kamen später dazu und wurden nach und nach zum Hauptgeschäft. Den Namen gab das benachbarte Kloster aus dem 14. Jahrhundert, in dem der Orden der Minimen lebte. Die Zitronengärten der Halbinsel liegen unter Pergolen aus Kastanienholz und Netzen, die die Bäume vor Wind und Kälte schützen, eine Bauweise, die seit Jahrhunderten gleich geblieben ist. Geführt wird der Familienbetrieb heute in weiterer Generation von Peppe Pollio. Den Likör selbst gibt es erst seit 1995. Bis dahin war der Betrieb schlicht ein Obstbauer, dann entschied die Familie, die eigenen Zitronen zu Limoncello zu verarbeiten, und blieb dabei. Ins deutsche Regal bringt ihn Antonio Viani, mehr aus dieser Sparte findest du unter Fruchtlikör und in der Sammlung Italien. Dass daraus in dreißig Jahren ein eigener Betriebszweig wurde, hätte der Großvater vermutlich nicht erwartet. Eiskalt, gelb, ein Fingerbreit. Mehr Süden geht im Glas nicht.